Sonntag, 1. April 2012

3 1/2 Monate einfach so... vorbei


Das schreit doch nahzu nach einer anständigen Zusammenfassung inkl. Feedback.

Aber wo soll ich da nur anfangen?

Eines und das ist klar, das muss hier an dieser Stelle auch mal zugegeben werden: Indien war ein klasse Trip, aber nicht immer nur ein guter! Es ist ein Land wie kein anderes und keines hat mich bisher auch nur annähernd so schockiert und fasziniert zu gleich! Indien hat mich aber auch gefordert und mir doch noch ein paar Dinge über mich selbst gezeigt...

Aber wie kann man auf die Schnelle wiedergeben wie Indien war, ich versuch es einfach mal mit dem Beispiel einer Situation; wie man sie tagtäglich in Indien erlebt: dem Straßen überqueren.

...alles prasselt auf dich ein, verschiedene laute indische Musik (die stark scheppert), Motorengeräusche, Hupen, Hundgebell, spielende Kinder und schreiende Verkäufer, achso und hatte ich Hupen schon erwaehnt? Ein Wahnsinns Lärmpegel wenn man bedenkt, dass du direkt auf der Strasse läufst und egal ob Rikscha oder riesen LWK, dir immer schön in die Ohren gehupt wird, ignorieren... pah! Kaum möglich! Und es wird auch gehupt, wenn du nicht gerade dem Fahrer im Weg stehen/gehen solltest... hupen, so hatte ich das Gefühl, gehört in Indien zum guten Ton ;).



Aber auch dein Riechorgan wird gefordert, da passiert es nicht nur einmal, dass du innerhalb von 2 Meter, den besten Essensgeruch überhaupt in der Nase hast und direkt darauf in den wiederlichsten Kloakegeruch oder furchtbarsten  Uringestank läufst und du einfach nur hoffst, nicht sehen zu müssen, woher der jetzt schon wieder kommt. 

Alles riecht, Abgase, Tiere, Müll und es ändert sich alle Nas lang, von Meter zu Meter. Vom Duft frisch aufgebrühten Masala Chai Tee bis zu frisch frittierten Samosas (gefüllten Teigtaschen) von gewaschener Wäsche über Blumen bis zum vergammelten Müllgestank.

Und der grösste Teil. den du zu verarbeiten hast, kommt natürlich über die Augen! Allein schon der Verkehr! Da ist nichts mit „rechts vor links,“ „Einer nach dem Anderen“ oder Ampeln und Zebrastreifens, des Fußgängers größte Sicherheit.
Nein, da gelten eher Regeln wie, „wer bremst verliert, „der Grössere hat immer Vorrang“ und wer nicht „hupt ist doof! Zwischendrin Kühe, Affen und Hunde, Fahrräder, Fussgänger, Roller, Ochsenkarren, fliegende Händler, Rikschas, Gespanne, LKWs, Busse usw.  – Gehsteige? Fehlanzeige!

Und auch des Leben spielt sich alles auf den Strassen ab, da wird repariert, Chai getrunken, Geschäfte gemacht, Obst verkauft, selbst gebügelt, Haare geschnitten und Bärte rasiert oder gar Essen gekocht! 
Wenn es eines gibt was dir in Indien niemals passieren wird ist es, 1. das du hungern musst, es gibt immer und überall Essen, 2. du bist niemals allein, selbst wenn du mitten in der Nacht um 3 Uhr irgendwo ankommst sind immer Leute schon oder noch wach und 3. Transport ist auch immer verfügbar,  sofern du denn gewillt bist den oftmals astronomischen Touriaufschlag zu zahlen.



  
Weiter mit der Strasse, du läufst also und versuchst dich zu konzentrieren bzw. am Leben zu bleiben, dem Verkehr auszuweichen, während du ständig angesprochen wirst... „YES MADAME YEEEEESSSS“… "WANT TO SEE MY SHOP?“ …  "NEEEEED RIKSCHA?" ... "EXCUSE ME. WHERE ARE YOU FROM?..."… „PLEASE, MADAME YES, HELLLOOOO!!!!“ usw... am Anfang ist das ja noch ganz nett und du versuchst zumindest höflich den Kopf zu schütteln, am Ende denkst du aber einfach nur noch "Ja richtig, ich bin weiß, ich bin Touri und habe im Vergleich zu dir viel Geld. Nein, ich habe keine Lust von dir über den Tisch gezogen zu werden und möchte auch nicht fotografiert werden und jetzt hau ab und nerv mich nicht, du merkst doch das ich dich ignoriere!“
  
Gerade im Norden hatte ich immer öfter des Gefühl gnadenlos abgezockt zu werden, nur weil ich deutsche Blässe statt indischer Bräune trage!  Das hat mich schon ein bisschen traurig gemacht, machen die Menschen doch ein Land erst spannend!

Essen ist übrigens ein riesen Thema! Und ja man muss es ihnen lassen, sie wissen was schmeckt und leider auch was viele Kalorien und noch mehr Fett hat! Vegetarier kommen voll auf ihre Kosten, die Auswahl an vegetarischen Gerichten könnte nicht grösser sein! Local Veg-Restaurants sind an jeder Ecke reichlich zu finden. Kulinarisch ist Indien ein absoluter Hochgenuss!




Und nicht zu vergessen… die indischen Männer!!!!
Es ist schon was dran an dem Gerücht, dass die Männer in Punkto Bevölkerung in Indien Haushoch dominieren… das riecht man nicht nur (Uringestank) sondern sieht man auch (wandelnde Schnurrbärte in Schlaghosen so weit das Auge reicht). Ich habe ja nix gegen Männer. Aber der indische Pöbel hat meine Nerven wirklich herrausgefordert. Ungefragt tausende von Fotos schießen… pausenloses Anstarren, wildes Gegrabsche in der Menge… und dann wirklich zu glauben, dass wenn sie mir ein „HELLOOOO WHERE ARE YOU FROM? MAAAAADAAAAAAAAME“ entgegen rufen, ich mich Hals über Kopf in sie verliebe. Nee nee Schätzchen, so läuft das hier aber nicht!

So ab und an hätte ich ja gern so nem Inder mal ne Leinwand vor der Nase runtergezogen und ihm ein Filmchen vorgespielt, WIE das Leben in Deutschland so abgeht. Da ist nix mit auf die Straße pinkeln, Rotze literweise hochziehen und durch die Gegend spucken, Chai trinken auf der Straße und Preise verhandeln usw. Vonwegen! Und die ach so traumhafte weiße Frau entpuppt sich dann zum empanzipierten Volldrachen und lässt sich alles, aber sicherlich nicht bevormunden! Willkommen im 21.Jahrhundert des entwickelten Teils der Erde! Ich hoffe Sie hatten einen angenehmen Aufenthalt.
Wenn Indien für mich ein Kulturschock ist, dann gilt das Gleiche auch für die Inder im Bezug auf Deutschland.

Schade das ich auch zum Ende hin so ein bischen das Vertrauen verloren habe, da fragt man nach dem Weg, denkt man bekommt den richten Weg gezeigt und am Ende findet man heraus, dass es anders doch einfacher gewesen wäre und sie einen mit nem Umweg dazu bekommen haben eine Rikscha zu nehmen usw.
Aber ich glaub hier muss man einfach einhaken und Verständniss zeigen für ein Land, dessen Kultur, Religion und Lebensvorstellung anders nicht sein könnte! Hallo, wir haben junge Männer getroffen die stolz darauf waren in 5 Jahren verheiratet zu werden, ein Inder war völlig bestürzt, als er erfahren hat das Frauen am Wochenende in Bars/Diskotheken gehen und wieder andere waren geschockt, dass man in Deutschland Mitte 20 spätestens Zuhause auszieht, allein deswegen kann ich Indien nicht böse sein!

... soll jetzt aber nicht heissen, alles in Indien war schrecklich! Ganz im Gegenteil! Was mir gefallen hat, habe ich ja immer zum Besten geben, wollte nur auch mal gesagt haben, es geht auch anders und wer hierher fährt muss mit allem rechnen :-).

Nach Indien war Sri Lanka übrigens wesentlich entspannter für mich als noch im Dezember.
Sollte von euch wer überlegen auch mal nach Indien zu reisen, so lasst euch gesagt sein fangt im Süden an! Gewöhnt euch langsam an das Chaos, Essen und Leute und reist dann peu a peu nach Norden. Sonst könnts nen Horrortrip werden.


Zurückgelegte Km in Indien: ca. 8300
Zurückgelegte Km auf Sri Lanka: ca 1600
Zurückgelegte Km gesamt: 9900

Da die Werte nur Schätzwerte von Googlemaps sind und gerade in Indien nicht immer der einfachste/kürzeste Weg verfügbar war, dürfte ich locker über die 10.000Km gereist sein.
Mein lieber Scholli, das nenne ich doch mal ne Zahl!

Meine Lieben... ich fahre nun ein letztes Mal zu meiner alten Schneiderfrau, genieße meinen vorletzten Sonnenuntergang und schreibe dann morgen meinen letzten Post aus Sri Lanka. 

Bis dahin :)