Hallo liebe Bloggemeinde
Jaipur hat meinen Geduldsfaden bis auf den letzten mm strapaziert.
So dachte ich gestern Abend um 20Uhr, als ich aus der Dusche kam, alles
sei perfekt.
Der Rucksack war gepackt, ich war schon ordentlich müde und in gut 2Std
würde ich bereits unterwegs nach Haridwar sein. Höhöhöhö so viel zur
Wunschvorstellung.
Es kam aber natürlich wieder alles anders…
Mein Gasthausbesitzer verabschiedete mich – natürlich wieder bei einer
Tasse Chai- und sagte mir die Rikschafahrt zur Abfahrstelle vom Bus, würde etwa
zwischen 30-40 Rupien kosten. Auf keinen Fall mehr!
Das mir den Preis kein Rikschafahrer anbieten würde, war mir natürlich
klar.
Der erste Rikschafahrer ließ nicht lange auf sich warten und jetzt
ratet mal was der haben wollte… keine 30, keine 40 nein auch keine 100 sondern
stolze 180 Rupien! Ich habe daraufhin mal wieder angefangen zu lachen und mich
im gleichen Atemzug von ihm abgewendet. 180 ist keine Verhandlungsbasis. Er
folgte mir natürlich und wollte letztendlich dann noch 50 Rupie haben. Nö,
nicht mit mir. Rikschafahrer gibt’s an jeder Ecke auf DICH bin ich nicht
angewiesen. Alter Abzocker! Ich zahle max 40. Ende!
Und so kams dann auch 40 Rupie habe ich bei einem anderen gezahlt und
sollte dann auch eigentlich bei meinem Bus sein…An der besagten Adresse standen
auch dutzende von Reisebussen parat, aber keiner in Richtung Haridwar.
Noch 30min bis zur Abfahrt… ruhig bleiben… also fragte ich mich durch..
wurde von Bus zu Bus verwiesen, wieder ging mein Ticket rum wie der
Klingelbeutel in der Kirche und 20min vor Abfahrt teilte mir dann ein
Busoperator in aller Seelenruhe mit, das der Bus woandern abfahren werde.
WOANDERS???? Einatmen, Ausatmen schööön geschmeidig bleiben.
Eine weitere 40 Rupie Fahrt später wieder umgeben von Reisebussen…
allerdings nur noch eine Handvoll. Auch hier Ratlosigkeit unter den Indern.
Noch 10min bis zur Abfahrt…. Jetzt wurde ich rappelig. Man schickte
mich kreuz und quer über die Straßen,
netterweise hatte ein Busoperator mein Ticket in der Hand und eilte vorraus.
Und das Ende vom Lied? Der Bus hatte 3Std Verspätung. Super! Spät Abends bzw um
Mitternacht noch auf den Straßen Jaipurs unterwegs umgeben vom Pöbel Jaipurs,
genau so habe ich es mir NICHT vorgestellt.
Da mit jeder weiteren Stunde die verging, mein Grad der Gereiztheit
weiter anstieg, und mich zu allem Uberfluß auch noch ein Inder auf
unverständlichem Inder Englisch vollschwafelte, ließ ich es mir nicht nehmen
einen der vielen Gaffer um mich rum einfach mal zu konfrontieren. „WHY ARE YOU
STARRING AT ME? HAVE YOU NEVER SEEN A WHITE WOMEN BEFORE?“ Huch da schreckte
aber jemand zusammen.. aber statt sich vom Acker zu machen, stellte er sich in
meinen „toten Winkel“ und glotzte weiter… am liebsten hätte ich den davon
gejagt. Wie kann man nur so ätzend sein. Als Frau hat man es in Indien wirklich
nicht leicht.
Ein Erlebnis der besonderen Art hatte übrigens Simone, als sie von der
Kamelsafari zurück kam… sie erwischte einen Inder, der durchs Schlüsselloch
spannte, während sie duschte. Ja hat man da denn noch Fragen???
Nun gut… irgendwann kamen dann noch 2 weitere Inder auf mich zu
gestiefelt. Ein Mädel und ein Junge. Beide ganz aus dem Häuschen und ließen mir
vor lauter Fragen keine Zeit zum Antworten. Während er eher zurückhalten agierte, war das Mädel kaum zu
bremsen… sie fasste in meine Haare, schaute meine Fingernägel an (unlackiert,
stink normale Fingernägel) , bewunderte immer wieder meine Haare, meine Augen
und vorallem meine Tasche aus Sri Lanka. Zum Abschied wollte sie unbedingt noch
eine Umarmung. Die bekam sie natürlich auch. Irgendwie sind indische Mädels ja
goldig. Aber ich kann mir jetzt in etwa vorstellen, wie sich ein Z Promi fühlen
muss.
Das Mädel reiste nach Bikaner und versuchte mich zu überreden doch mit
ihr mit zu kommen. Nee nee lass mal lieber. Ihr Bekannter musste beruflich nach
Dehli, und war, wie sich später raus stellte, im selben Bus wie ich. Er
erklärte mir einiges über das Kastensystem in Indien, über indische Hochzeiten
usw. Eine willkommene Ablenkung das sag ich euch. Was mich aber ein wenig
genervt hat, war seine bemutterungsversuche. Sie waren natürlich alle nur gut
gemeint mit willst du was trinken/essen musst du auf Toilette usw, aber ich bin
22, reise allein durch Indien… ich denke ich komme ganz gut klar. Ich brauche
keinen Vormund, auch wenns bei euch vllt so üblich ist.
Nun ja... ich erreichte Haridwar zwar spaeter als erwartet, aber das
war ja nicht weiter tragisch. Mit dem oeffentlichen Bus gings dann noch die
restlichen 24km nach Rishikesch.
Auf den ersten Blick ist Rishikesch wunderschoen. Was nicht zuletzt
auch am heiligen Ganges liegt, der Mitten durch Rishikesch fliesst. Ich hatte
euch ja bereits erzaehlt, dass Rishikesch als die Geburtsstaette von Yoga
gehandelt wird und an so einem spirituellen Ort darf was natuerlich nicht
fehlen? Na??? Ganz genau seltsame Gestalten, halb Hippies, halb spirituell
abgehoben. So hatte ich heute beim Mittagessen einen Mann am Nachbartisch
sitzen, der optisch zwar ganz unaufaellig war, aber nach Erhalt des Essens,
seine Haende darueber hielt fuer locker 5min... nun gut... wenns dann besser
schmeckt ;) . Ihr duerft das gerne mal zu Hause ausprobieren und mir von euren
Erfahrungen berichten.
Am Donnerstag kommt det liebe Simone nach Rishikesch wuhuuuu, kaum
getrennt dann doch wieder vereint. Ich habe heute bereits erste Angebote fuer
Trekking und Rafting Touren eingeholt. Vom Bungee-jumping nehm ich dann aber
doch lieber Abstand :D .
Meine Lieben... wir lesen uns!