Montag, 27. Februar 2012

Ji Ja Jaipur...


Und wieder ein mal angekommen… dies mal in Jaipur.

Die Busfahrt war grauenvoll. 2 Säuglinge schrien sich die ganze Nacht die Seele aus dem Leib, mein Fenster (Schiebefenster aus Glas) machte sich bei der holprigen Fahrt selbstständig, so dass die eiskalte Luft von draußen reinzog und der Busfahrer hielt es scheinbar für sinnvoll, das Babygeschrei mit grottig schlechter indischer Musik zu übertönen. Wer sagt eigentlich, dass indische Musik besser wird, wenn man sie laut aufdreht?

Total gerädert und halb erfroren kam ich dann gestern Morgen um 5:30Uhr in Jaipur an. Pedro (ihr erinnert euch, der Portugiese der mich mit dem Sonnenhut fotografiert hat), hatte mir einen Gasthaustipp gegeben, von dem ich jetzt natürlich Gebrauch machen wollte.
Tja… wie immer musste aber erst mal mit den Rikscha Fahrern verhandelt werden und die waren wie überall in Indien nicht nur kacken dreißt sondern auch uneinsichtig und zu allem Überfluss auch hier mal wieder der englischen Sprache nicht mächtig. Und weil alle Inder auch nicht Nein sagen können, landete ich mal wieder bei einem in der Rikscha, der absolut Null Plan hatte, wo das Gasthaus ist. Ich tat mir schon selbst Leid… Hatte ich das Drama doch zuletzt erst in Mumbai.
Gegen 6Uhr dank viel Durchfragerei dann endlich angekommen und? Restlos ausgebucht! Ein weiteres Gasthaus gegenüber: außerhalb meiner Preisklasse.. Obendrein hatte mein Rikscha Fahrer reichlich Übermut gefrühstückt. Er wollte den 3fachen Preis von dem was ein anderer mir zuvor angeboten hatte und welchen ich mit einem gezeigten Vogel allein stehen gelassen hatte. Ich drückte ihm 30 Rupie Dupie in die Hand und zog von dannen. Da kenne ich inzwischen ja nichts mehr. An mir verdient sich kein Rikschafahrer seinen Tagesverdienst. Mafiabande!

Ich zog meinen Lonely Planet zu Rate und entschied mich das nächste Gasthaus anzusteuern. Keine Auto-Rikscha weit und breit in Sicht… aber ein alter wackerliger Mann mit halbzerfallenem Turban auf einer Fahrradrikscha wedelte mir mit seinen Armen entgegen. Innerlich dachte ich mir, das kann der doch nicht ernst meinen. Ich wieg sicherlich 3mal soviel wie er! Doch das schien ihn absolut nicht zu stören. Er stank zwar zum Himmel nach Alkohol und 4Wochen ohne Wasser und Seife, aber er zuckelte mit mir im ordentlichen Tempo bei Sonnenaufgang durch die Straßen von Jaipur. Irgendwie romantisch ;) .

Ich muss zugeben ich war etwas verwundert, dass er so schnurr stracks aufs Ziel zusteuerte… und meine Zweifel waren berechtigt. Denn er brachte mich nicht zu dem Gasthaus zu dem ich wollte, sondern zu einem das ähnlich geschrieben wurde. Mein unausgeschlafenes und kurz vor dem erfrieren stehendes Nervenkostüm hats gelassen genommen. Ich kanns ja eh nicht ändern, und der alte Miefe-Peter würde mein Schimpfen und meckern ohnehin nicht verstehen. Und da, Licht am Ende des Tunnels! Wir trafen auf einen Polizist auf einem Motorrad. Polizei, dein Freund und Helfer. Die hat mir zuletzt in Miami schon meine Weiterreise auf die Bahamas gesichert. Das konnte ja nur gut werden und ja so wars auch. Der Polizist fuhr im Gänsemarsch vor und wir zuckelten hinterher. Ich bezahlte, schwang mich von der klapprigen Kutsche des Drahtesels und freute mich, den Gasthausbesitzer bereits auf mich zukommen zu sehen. Er hatte auch noch Zimmer frei.. aber nicht die, die innerhalb meines Budgets lagen.. für einen Moment habe ich wirklich überlegt in den nächsten Bus aus Jaipur raus zu springen, aber so schnell ist nicht mit aufgeben.

Gegenüber war ein weiteres Gasthaus… etwas in die Jahre gekommen, aber sauber und mit heißem Wasser. Für 4,60€ die Nacht vollkommen ok. Jetzt wo ich wieder alleine unterwegs bin, muss ich Abstriche machen. Ich trank mit dem Besitzer einen Chai zusammen, stellte fest das es doch noch liebe Inder gibt und fiel um kurz vor 7Uhr dann in mein Bett. 










Um 11Uhr raffte ich mich auf, duschte und war bereit mich ins Geschehen zu stürzen.
An der Rezeption wartete schon der Besitzer auf mich mit einer Tasse Chai und gab mir ein paar nützliche Tipps. Ich sag ja, eine gute Seele der Mann!

Aber Jaipur ist wieder nur eine von Indiens Großstätten in denen man sich verschluckt fühlt. Ich stiefelte los in Richtung Altstadt, aß ne Thali Chapati und bewegte mich etwas abseits der Touristenpfade, was mir aber erst auffiel, als ich bereits die einzige Weiße unter hunderten von Indern im Umkreis von mindestens 800m zu sein schien.
Ich in mitten des Marktgeschehen zwischen Nudeln, Reis, FlipFlops, Unterbuxen, Gewürzen. Kämmen, Glitzerarmreifen und Gemüse. Ein einziger Ameisenhaufen, der dominiert wurde durch das Krakehle der Marktschreier. OH MEIN GOTT! Und es war kein Entkommen. Das Ganze wäre ja noch halbwegs erträglich gewesen, wenn manche Inder nicht so unverschämt wären, einem im vorbei gehen mit der flachen Hand über die Schenkel oder den Hintern zu streifen, oder mal ganz geschickt den Ellenbogen auszufahren um gegen die  Brust zu stoßen. Zu Hause hätte das Ohrfeigen geregnet… das sag ich euch! Aber wenn man sich hier umdreht, ist der jenige meist schon wieder Meter weit weg. Nur wie unverschämt und respektlos ist das bitte? Da könnte ich wirklich zu viel bekommen. Die Inderinnen laufen nicht ohne Grund total verschleiert durch die Gegend.
Dieses Gegaffe und Gegrabsche ist einfach ätzend. Und ich frage mich wie die erst reagieren würden, wenn die Frauen in knallengen Röhrenjeans/ Leggins/kurzen Röcken/Mini-Kleidern und hohen Hacken sehen würden… rette sich wer kann!
Zivilisiertes Verhalten ist definitiv was anderes! Ein hoch auf die westlichen Männer!

Nun gut… da sich Jaiput als ebenso große Enttäuschung wie Jaisalmer herausgestellt hat, habe ich bereits für heute Abend den nächsten Bus gebucht. Um 22Uhr meiner Zeit, trete ich eine 10 Stündige Busreise nach Haridwar an. Dort sollte ich morgen gegen vormittag eintrudeln. Von Haridwar sinds mit den öffentlichen Bussen noch etwa 1 Std bis nach Rishikesch (Juhu mal wieder typisch indisch Busfahren ;) ).

Rishikesch ist übrigens die Geburtsstätte von Yoga und wurde durch einen Ashram-Aufenthalt der Beatles 1968  bekannt. Dort hatte ich mir vorgenommen ein bisschen länger zu verweilen… Eventuell einen Kochkurs zu belegen, noch mal ein paar Tage Ashram Luft schnuppern und vielleicht sogar eine Himalaya Trekkingtour zu machen oder gar Rafting? Jedenfalls Kontrastprogramm zu all den Tempel, Festungen und Palast Besuchen der vergangenen Tage.  Wenn ich von einem momentan die Nase voll habe, dann von indischen Großstätten, nervenden Männern und dem hektischen Gewusel. Ich bin mir sicher meine Lunge wird diese Entscheidung auch begrüßen, nicht mehr dem Großstadt-Smog ausgesetzt zu sein. Rußpartikelfiler? Abgasuntersuchung? Katalysator? Umweltplaketten? Alles überbewertet ;)

Egal für was ich mich letztenendes entscheide, ihr erfahrt es natürlich hier auf meinem Blog!