Und wieder ein mal angekommen… dies mal in
Jaipur.
Die Busfahrt war
grauenvoll. 2 Säuglinge schrien sich die ganze Nacht die Seele aus dem Leib,
mein Fenster (Schiebefenster aus Glas) machte sich bei der holprigen Fahrt
selbstständig, so dass die eiskalte Luft von draußen reinzog und der Busfahrer
hielt es scheinbar für sinnvoll, das Babygeschrei mit grottig schlechter
indischer Musik zu übertönen. Wer sagt eigentlich, dass indische Musik besser
wird, wenn man sie laut aufdreht?
Total gerädert und
halb erfroren kam ich dann gestern Morgen um 5:30Uhr in Jaipur an. Pedro (ihr
erinnert euch, der Portugiese der mich mit dem Sonnenhut fotografiert hat),
hatte mir einen Gasthaustipp gegeben, von dem ich jetzt natürlich Gebrauch
machen wollte.
Tja… wie immer musste
aber erst mal mit den Rikscha Fahrern verhandelt werden und die waren wie
überall in Indien nicht nur kacken dreißt sondern auch uneinsichtig und zu
allem Überfluss auch hier mal wieder der englischen Sprache nicht mächtig. Und
weil alle Inder auch nicht Nein sagen können, landete ich mal wieder bei einem
in der Rikscha, der absolut Null Plan hatte, wo das Gasthaus ist. Ich tat mir
schon selbst Leid… Hatte ich das Drama doch zuletzt erst in Mumbai.
Gegen 6Uhr dank
viel Durchfragerei dann endlich angekommen und? Restlos ausgebucht! Ein weiteres
Gasthaus gegenüber: außerhalb meiner Preisklasse.. Obendrein hatte mein Rikscha
Fahrer reichlich Übermut gefrühstückt. Er wollte den 3fachen Preis von dem was
ein anderer mir zuvor angeboten hatte und welchen ich mit einem gezeigten Vogel
allein stehen gelassen hatte. Ich drückte ihm 30 Rupie Dupie in die Hand und
zog von dannen. Da kenne ich inzwischen ja nichts mehr. An mir verdient sich
kein Rikschafahrer seinen Tagesverdienst. Mafiabande!
Ich zog meinen Lonely
Planet zu Rate und entschied mich das nächste Gasthaus anzusteuern. Keine
Auto-Rikscha weit und breit in Sicht… aber ein alter wackerliger Mann mit
halbzerfallenem Turban auf einer Fahrradrikscha wedelte mir mit seinen Armen
entgegen. Innerlich dachte ich mir, das kann der doch nicht ernst meinen. Ich
wieg sicherlich 3mal soviel wie er! Doch das schien ihn absolut nicht zu
stören. Er stank zwar zum Himmel nach Alkohol und 4Wochen ohne Wasser und Seife,
aber er zuckelte mit mir im ordentlichen Tempo bei Sonnenaufgang durch die
Straßen von Jaipur. Irgendwie romantisch ;) .
Ich muss zugeben
ich war etwas verwundert, dass er so schnurr stracks aufs Ziel zusteuerte… und
meine Zweifel waren berechtigt. Denn er brachte mich nicht zu dem Gasthaus zu
dem ich wollte, sondern zu einem das ähnlich geschrieben wurde. Mein
unausgeschlafenes und kurz vor dem erfrieren stehendes Nervenkostüm hats
gelassen genommen. Ich kanns ja eh nicht ändern, und der alte Miefe-Peter würde
mein Schimpfen und meckern ohnehin nicht verstehen. Und da, Licht am Ende des
Tunnels! Wir trafen auf einen Polizist auf einem Motorrad. Polizei, dein Freund
und Helfer. Die hat mir zuletzt in Miami schon meine Weiterreise auf die
Bahamas gesichert. Das konnte ja nur gut werden und ja so wars auch. Der
Polizist fuhr im Gänsemarsch vor und wir zuckelten hinterher. Ich bezahlte, schwang
mich von der klapprigen Kutsche des Drahtesels und freute mich, den
Gasthausbesitzer bereits auf mich zukommen zu sehen. Er hatte auch noch Zimmer
frei.. aber nicht die, die innerhalb meines Budgets lagen.. für einen Moment habe ich wirklich überlegt in den nächsten Bus aus Jaipur raus zu springen,
aber so schnell ist nicht mit aufgeben.
Gegenüber war ein
weiteres Gasthaus… etwas in die Jahre gekommen, aber sauber und mit heißem
Wasser. Für 4,60€ die Nacht vollkommen ok. Jetzt wo ich wieder alleine
unterwegs bin, muss ich Abstriche machen. Ich trank mit dem Besitzer einen Chai
zusammen, stellte fest das es doch noch liebe Inder gibt und fiel um kurz vor
7Uhr dann in mein Bett.
Um 11Uhr raffte ich
mich auf, duschte und war bereit mich ins Geschehen zu stürzen.
An der Rezeption
wartete schon der Besitzer auf mich mit einer Tasse Chai und gab mir ein paar
nützliche Tipps. Ich sag ja, eine gute Seele der Mann!
Aber Jaipur ist
wieder nur eine von Indiens Großstätten in denen man sich verschluckt fühlt.
Ich stiefelte los in Richtung Altstadt, aß ne Thali Chapati und bewegte mich
etwas abseits der Touristenpfade, was mir aber erst auffiel, als ich bereits
die einzige Weiße unter hunderten von Indern im Umkreis von mindestens 800m zu
sein schien.
Ich in mitten des
Marktgeschehen zwischen Nudeln, Reis, FlipFlops, Unterbuxen, Gewürzen. Kämmen,
Glitzerarmreifen und Gemüse. Ein einziger Ameisenhaufen, der dominiert wurde
durch das Krakehle der Marktschreier. OH MEIN GOTT! Und es war kein Entkommen.
Das Ganze wäre ja noch halbwegs erträglich gewesen, wenn manche Inder nicht so
unverschämt wären, einem im vorbei gehen mit der flachen Hand über die Schenkel
oder den Hintern zu streifen, oder mal ganz geschickt den Ellenbogen
auszufahren um gegen die Brust zu
stoßen. Zu Hause hätte das Ohrfeigen geregnet… das sag ich euch! Aber wenn man
sich hier umdreht, ist der jenige meist schon wieder Meter weit weg. Nur wie
unverschämt und respektlos ist das bitte? Da könnte ich wirklich zu viel
bekommen. Die Inderinnen laufen nicht ohne Grund total verschleiert durch die
Gegend.
Dieses Gegaffe und
Gegrabsche ist einfach ätzend. Und ich frage mich wie die erst reagieren
würden, wenn die Frauen in knallengen Röhrenjeans/ Leggins/kurzen
Röcken/Mini-Kleidern und hohen Hacken sehen würden… rette sich wer kann!
Zivilisiertes
Verhalten ist definitiv was anderes! Ein hoch auf die westlichen Männer!
Nun gut… da sich
Jaiput als ebenso große Enttäuschung wie Jaisalmer herausgestellt hat, habe ich
bereits für heute Abend den nächsten Bus gebucht. Um 22Uhr meiner Zeit, trete
ich eine 10 Stündige Busreise nach Haridwar an. Dort sollte ich morgen gegen
vormittag eintrudeln. Von Haridwar sinds mit den öffentlichen Bussen noch etwa
1 Std bis nach Rishikesch (Juhu mal wieder typisch indisch Busfahren ;) ).
Rishikesch ist
übrigens die Geburtsstätte von Yoga und wurde durch einen Ashram-Aufenthalt der
Beatles 1968 bekannt. Dort hatte ich mir
vorgenommen ein bisschen länger zu verweilen… Eventuell einen Kochkurs zu belegen,
noch mal ein paar Tage Ashram Luft schnuppern und vielleicht sogar eine
Himalaya Trekkingtour zu machen oder gar Rafting? Jedenfalls Kontrastprogramm
zu all den Tempel, Festungen und Palast Besuchen der vergangenen Tage. Wenn ich von einem momentan die Nase voll
habe, dann von indischen Großstätten, nervenden Männern und dem hektischen
Gewusel. Ich bin mir sicher meine Lunge wird diese Entscheidung auch begrüßen,
nicht mehr dem Großstadt-Smog ausgesetzt zu sein. Rußpartikelfiler?
Abgasuntersuchung? Katalysator? Umweltplaketten? Alles überbewertet ;)
Egal für was ich
mich letztenendes entscheide, ihr erfahrt es natürlich hier auf meinem Blog!