Hallo ihr Lieben :)
Heute gibt es nicht so erfreuliche Nachrichten...
In meiner ersten Nacht in Varanasi traf es mich gleich ganz übel... im wahrsten Sinne des Wortes... ich übergab mich mehrfach in der Nacht und so fühlte ich mich dann auch den darauffolgenden Tag. Statt wie geplant eine Bootstour zu machen, blieb ich also den ganzen Tag im Bett liegen. Zum Abend hin machte ich mit Simone zusammen einen kleinen Spaziergang und aß Bananen... aber so ganz gut ging es mir nicht dabei. Der Anblick von einem Hund mit einer großen offenen blutenden Wunde, machte das Ganze natürlich nicht besser. Die Nacht über schlief ich und behielt sogar die Bananen bei mir.
Heute Morgen um 6Uhr holten wir dann die Bootsfahrt nach. Auf nüchternen Magen. Es war wirklich schön den Sonnenaufgang von der Flußseite aus zu sehen. Kurz vor Ende ließen Simone und ich auch noch eine Schale mit Blumen, einem Licht und Farbpulver ins Wasser und haben uns dabei etwas gewünscht. Nicht so schön war aber, das wir Zeuge wurden, wie eine Leiche verbrannt wurde.
Varanasi ist für Hindus ein Ort von großer Bedeutung. So sagt man, wer in Varanasi seine letzte Ehre erwiesen bekommt, bleibt von einer Wiedergeburt verschont und gelangt direkt ins Nirwana.
Der Leichnam wird vor der eigentlichen Verbrennung im Ganges gebadet und anschließend auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Die Holzauswahl für die Verbrennung hängt von den finanziellen Gegebenheiten der Familien ab. So ist Sandelholz z.B. die teuerste Holzvariante. Jedes einzelne Stück Holz wird vorher gewogen und der Preis berechnet. Zu wissen wie viel Holz man für die Verbrennung gebrauchen wird, ist vermutlich höhere Mathematik. Kinder, schwangere Frauen sowie heilige Männer werden nicht verbrannt sondern so zu Wasser gelassen (beschwert mit einem Stein). Der Sohn des Verstorbenen spielt eine sehr wichtige Rolle im Verbrennungsritual: Er ist in ein weisses Tuch gehuellt und laeuft fuenf mal (fuer die fuenf Elemente) um den Holzstapel mit der Leiche darauf, und muss dann das Feuer legen, dessen Funke vom heiligen Feuer des Gottes der Zerstoerung, Shiva, entspringt. Daher ist es in Indien so wichtig, einen maennlichen Nachkommen zu haben. Bei der Verbrennung, die ca. 3 Stunden dauert, duerfen nur die maennlichen Familienangehoerigen anwesend sein, da nicht geweint werden darf. Der älteste Sohn zündet das Feuer an, in das flüssige Butter gegossen wird (dient wohl als eine Art Brandbeschleuniger). Wenn das Feuer fast abgestorben ist, muss dann der Sohn den verkohlten Schädel spalten, damit Atman aus dem Körper austreten kann.
3 Tage nach der Verbrennung wir die Asche im Ganges (heiliger Fluss) verstreut.
An dem Hauptverbrennungsghat werden pro Tag etwa 200-300 Leichnamen verbrannt. 24Std am Tag.
Im gleichen Fluß baden sich übrigens täglich hunderte von Pilgern... spülen ihre Münder aus und/oder waschen ihre Kleider. Ich muss euch glaube ich nicht erzählen, dass mir bei dem Anblick und dem Hintergundwissen schier die Galle hochkam.
Nach unserer Bootstour am Morgen liefen wir den Weg zurück. Als wäre der Verbrennungskram nicht schon bewegend genug gewesen, sahen wir eine tote Hundewelpe im Dreck liegen. Auf dem Markt wurde Obst und Gemüse unmittelbar zwischen Kuhfladen und Straßendreck verkauft.. auch hier war wieder würgen angesagt. Es waren viele Eindrücke auf einmal auf meinen noch ziemlich flauen Magen.
Anschließend legten Simone und ich uns noch mal eine Runde aufs Ohr. Nicht zuletzt, weil die
Mittagshitze unerträglich ist. Dazu kommt das die Strassen von Varanasi besonders die an den Ghats, extrem eng und auch extrem dreckig sind. Man muss tatsächlich immer auf den Boden sehen, damit man nicht aus Versehen in einen grossen Kuhfladen tritt, oder anderes der gleichen Art. Durch die Enge stinkt es wesentlich mehr, denn die Luft steht zwischen den Haeuserwaenden ... und sie schnürt einem regelrecht die Luft ab.
Ich habe dann heute versucht ein bisschen was zu essen.. mir war aber so schlecht, dass ich mir vorhin den Finger in den Hals gesteckt habe, um für Erleichterung zu sorgen. Hunger habe ich absolut keinen. Eher im Gegenteil.
Meine Zeit in Indien ist gekommen. Ich kann es einfach nicht mehr. Gerade jetzt wo es mir gesundheitlich nicht astrein geht, merke ich, wie wenig ich nervlich noch aushalte. Dazu kommen noch die Erlebnisse mit den indischen Männern... ich will mich endlich wieder frei bewegen können. Als nächstes hätte eigentlich Darjeeling angestanden, aber ich habe mich nun dagegen entschieden. Morgen Abend springe ich auf einen 37,5 Std Zug nach Chennai. Gut 2000km stehen mir bevor. Von dort geht es dann am 14.März noch mal nach Sri Lanka und am 03.April zurück in die Heimat.
Ich habe mich tapfer geschlagen, viel gesehen, viel erlebt. Ich habe Indien lieben gelernt und kann euch nur sagen, dass mich bisher kein Land in gleichen Maßen so schockiert und fasziniert hat, wie Indien.
Ich melde mich wieder aus Chennai oder spätestens aus Colombo!
Bis dahin :)


